Folge von vier Gouachen: Ansichten von Rom Jean-Baptiste Lallemand (1716 - 1803)

Blick auf die Engelsburg, die Engelsbrücke und den Vatikan
Gouache auf Papier
Bez. unten links „Lalma. f.“
H. 36 cm, B. 53 cm

Blick auf die Pons Aemilius
Gouache auf Papier
Bez. unten links „Lalma f.“
H. 36 cm, B. 53 cm

Blick auf den Triumphbogen des Konstantin
Gouache auf Papier
Bez. unten rechts „Lalma f. R.“
H. 36 cm, B. 53 cm

Blick auf das Forum Romanum mit Tempel des Saturn, Septimus Severus-Bogen und Chiesa Santi Luca e Martina
Gouache auf Papier
Ohne ersichtliche Bezeichnung
H. 36 cm, B. 53 cm

Description

Alle vier vorliegenden Blätter eröffnen den Blick auf antike römische Bauwerke, eingebettet in Lallemands zeitgenössisches Umfeld. Das erste Blatt zeigt die Engelsburg vom linken Tiberufer aus gesehen, ehemals errichtet im zweiten Jahrhundert unter Kaiser Hadrian als dessen Mausoleum, im 15. Jahrhundert unter den Päpsten Nikolaus V. und Alexander VI. zur Festung umgebaut. Die weitläufige Befestigungsanlage mit dem zentralen Rundbau dominiert die rechte Bildhälfte, während die Linke durch eine angeschnittene einfache Häuserfront abgeschlossen wird. Im Vordergrund verläuft das Tiberufer, belebt durch Menschen- und Tierstaffage, der Fluss, der im Mittelgrund des Bildes verläuft, führt den Blick des Betrachters in einer Diagonalen hin zur Engelsbrücke, auf welcher sich die Engelsstatuen aus der Hand Berninis vor dem sich im Hintergrund erhebenden Petersdom abzeichnen.

Die zweite Gouache zeigt die Pons Aemilius aus dem Jahr 174 v. Chr. Während diese Brücke heute nur noch über einen frei im Tiberbett stehenden Brückenbogen verfügt, war sie bis 1885 noch von einem Tiberufer aus über drei flache Steinbögen begehbar. Der Bildaufbau dieser Ansicht ist jener, der vorhergehenden Gouache ausgesprochen nahe. Während das Brückenfragment im Mittelgrund die rechte Bildhälfte dominiert, leitet Sie gleichsam durch ihren diagonalen Verlauf, welcher durch einen Blickpunkt vom rechten Ufer aus bedingt wird, in den Hintergrund über, der weich gezeichnet die Bebauung und den Fortlauf des linken Tiberufers zeigt. Im Vordergrund verläuft eine Uferbank, die auf der linken Seite von Gebüsch abgeschlossen und von Badenden belebt wird.

Das dritte Blatt aus der Serie von vier gibt den Blick auf das Forum Romanum frei. Der Blickpunkt des Betrachters befindet sich in der Senke zwischen Palatin und Kapitol, seitlich rechts von den baulichen Resten des Tempels des Saturn, dem ein einfaches Wohnhaus vorgesetzt wurde, mit Blick in Richtung der Schmalseite des Titusbogen. Hinter dem eintorigen Triumphbogen aus dem Jahre 70 nach Chr. erhebt sich die detailreich gestaltete Fassade der hochbarocken Kirche Santi Luca e Martina, die den Anfang einer Häuserflucht bildet, die weich umrissen ins diffuse ausläuft. Auf antiken Architekturelementen im Vordergrund des Bildes haben sich zwei männliche Gestalten niedergelassen, die Gesamtheit des Bildes wird durch Figurenstaffage belebt.

Die letzte der vier Gouachen zeigt den Konstatinsbogen, den größen und jüngsten Triumphbogen Roms aus dem Jahre 312, klar zu erkennen an den Statuen auf Höhe der Attika und den Relieffeldern bzw. Relieftondi an Front und Seiten. Während der Bogen die rechte Bilhälfte dominiert, öffnet sich der Blick nach links hin in die hügelige italienische Landschaft, wobei zudem noch ein Stück des Colosseums am rechten Bildrand in die Komposition mit eingebunden wurde. Der Vordergrund wiederum wird durch Tier- und Personenstaffage belebt.

Lallemands Ansichten zeichnen sich besonders durch eine charakteristische asymmetrische Komposition aus. Der Schwerpunkt des Künstlers scheint in der Serie dieser vier Gouachen nicht auf der akkuraten und detailgenauen Darstellung der prominenten antiken Architekturen zu liegen, -obgleich es sich hierbei nicht um Capricci handelt-, sondern um ihre harmonische Einbindung in die Landschaft, die der Franzose durch einen weichen und übergangslosen Farbverlauf atmosphärisch zu bewirken weiß.

Jean Baptist Lallemand wurde 1716 in Dijon geboren und trat ein Jahr nach dem Erhalt seines Meisterbriefes 1745 in die Pariser Académie de Saint-Luc ein. Zwischen 1747 und 1761 verweilt Lallemand, der sich bis zu diesem Zeitpunkt bereits mit seinen qualitätvollen Landschafts- und Marinebilder einen Namen gemacht hatte, in Rom auf.

Der Grundstein für Rom als bevorzugter Studiums- und Aufenthaltsort französischer Künstler und Kunstliebhaber wurde bereits im Jahre 1666 durch die Gründung der Académie de France in der ewigen Stadt gelegt. Diese bot den besten Studenten der Pariser Akademie – Maler, Bilhauer und Architekten - einen vierjährigen Aufenthalt in Italien, bei welchem neben dem Studium der Antike auch jenes der italienischen Renaissance- und Barockmalerei im Vordergrund stand. Nicht nur künstlerisch avancierte Rom besonders für französische Künstler zu einem der wichtigsten Städte Europas, viele prägende Bekanntschaften wurden in dieser geschichtsträchtigen Stadt geknüpft. Lallemand selbst lernte in Italien einige der führenden Landschaftsmaler seiner Zeit kennen, darunter Hubert Robert (1733-1808) und Claude-Joseph Vernet (1814-1789), dessen Einfluss, neben jenem von Giovanni Paolo Pannini (um 1692-1765) seine Ansichten von Rom deutlich prägt.

Seine Zeit in der italienischen Hauptstadt war gekennzeichnet durch eine Vielzahl an wichtigen Aufträgen. Vor allem Lallemands Gouachen öffneten dem Franzosen Tür und Tor zu einer lukrativen Marktnische: während sie nämlich im Gegensatz zu Zeichnungen in ihrer Farbigkeit einen vollendeten Eindruck machten, waren sie doch preiswerter und weniger zeitintensiv in der Produktion als Ölgemälde. 1761 kehrt der Maler schließlich nach Frankreich zurück und setzt dort seine Arbeit als Landschaftsmaler fort, erweiterte zudem sein Repertoire. Lallemands Oeuvre umfasst architektonische Ansichten, heroische Landschaften mit antiken Ruinenarchitekturen, idyllische Landschaften mit Tier- und Menschenstaffage, Marinen, Tierstücke, Historienmalerei und Genremalerei, inspiriert von den Niederländern des 17. Jahrhunderts. Seine Werke finden sich u.a. im Musée des Beaux-Arts, Dijon; Musee de la Revolution, Vizille; Louvre, Paris; Musée Carnavale, Paris; Musée de Brou, Bourg-en-Bresse und der Eremitage, St. Petersburg.

Weitere Ansichten von Rom befinden sich in der National Gallery of Canada, Ottawa und in der Horvitz Collection, in Cambridge, Mass (siehe Ausst.-Kat. Ottawa, Kat.-Nr. 60 und 73).

Literature

AUSST.-KAT. OTTAWA 2011
Drawn to Art. French Artists and Art Lovers in 18th-Century Rome, hrsg. von Sonia Couturier, Katalog zur Ausstellung in der National Gallery of Canada, Ottawa, 21.Oktober 2011-2.Januar 2012, Ottawa 2011.

REF No. 128